Was versteht man unter ...

Behandlungsautonomie

Niemand muss sich gegen seinen Willen behandeln lassen. Ohne Einwilligung durch den Patienten ist eine medizinische Behandlung strafbar. Patienten können im Vorhinein durch die Instrumente der Vorsorgevollmacht oder der Patientenverfügung bewirken, dass ihr Wille auch für den Fall des Verlusts ihrer Entscheidungs- bzw. Äußerungsfähigkeit berücksichtigt wird. (§110 StGB sticht §78 StGB)

Patientenverfügung

Patienten können im Vorhinein durch die Instrumente der Vorsorgevollmacht oder der Patientenverfügung bewirken, dass ihr Wille auch für den Fall des Verlusts ihrer Entscheidungsfähigkeit berücksichtigt wird. (§110 StGB sticht §78 StGB)

Mit einer Patientenverfügung wird eine bestimmte medizinische Behandlung vorweg abgelehnt. Diese Erklärung soll für den Fall gelten, dass sich der Patient nicht mehr wirksam äußern kann. Sei es, weil er nicht mehr reden und auch sonst nicht mehr kommunizieren kann, sei es, weil er nicht mehr über die notwendigen geistigen Fähigkeiten verfügt.

Für die Patientenverfügung sieht das Gesetz zwei Varianten vor. Zum einen kann sie verbindlich sein: Der Arzt, Pflegebedienstete, Angehörige und andere in ein Behandlungsgeschehen möglicherweise eingebundene Personen (etwa ein Erwachsenenvertreter oder ein vom Arzt angerufenes Gericht) sind daran gebunden. Zum anderen kann eine Patientenverfügung auch bloß Orientierung sein. Das bedeutet, dass der Arzt und andere Beteiligte auf die Verfügung und den darin geäußerten Willen des Patienten zwar Bedacht nehmen müssen, daran aber nicht unter allen Umständen gebunden sind.

Eine Patientenverfügung kann man (kostenlos) bei der Patientenanwaltschaft errichten, oder auch beim Notar, einem Erwachsenenschutzverein oder einem Rechtsanwalt.

Informationen über die Patientenverfügung finden Sie hier.

Vorsorgevollmacht

Mit einer Vorsorgevollmacht kann man jemanden beauftragen, in seinem Namen zu handeln und Entscheidungen zu treffen, wenn man selbst nicht mehr dazu in der Lage ist. Die Vollmacht wird erst im sogenannten Vorsorgefall, also wenn die betroffene Person für die von der Vollmacht umfassten Angelegenheiten nicht mehr entscheidungsfähig ist, wirksam. Beides – die Vorsorgevollmacht und der Vorsorgefall – müssen für die Gültigkeit im Österreichischen Zentralen Vertretungsverzeichnis (ÖZVV) eingetragen werden. Die Errichtung und Eintragung kann bei Notaren, Rechtsanwälten oder einem Erwachsenenschutzverein erfolgen. Die Vorsorgevollmacht gilt unbefristet. Sie kann so wie jede andere Vollmacht jederzeit widerrufen oder gekündigt werden.

 

Die Vorsorgevollmacht kann beim Notar, Rechtsanwalt oder in Ausnahmefällen auch bei einem Erwachsenschutzverein erstellt werden.

Informationen zur Vorsorgevollmacht finden Sie hier.

 

Werther-Effekt

Unter dem Werther-Effekt versteht man das Phänomen, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen Suiziden, über die in den Medien ausführlich berichtet wurde, und einer Erhöhung der Suizidrate in der Bevölkerung nachgewiesen werden kann[1].

 

[1] Stangl, W. (2021). Stichwort: 'Werther-Effekt – Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik'. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik. www: https://lexikon.stangl.eu/10101/werther-effekt/ (2021-05-28)

Papageno-Effekt

Unter dem Papageno-Effekt wiederum versteht man das Phänomen, dass Berichte darüber, wie Menschen eine Krisensituationen konstruktiv und ohne suizidales Verhalten bewältigen, mit einer Senkung der Suizidraten einher gehen[1]

 

[1] Stangl, W. (2021). Stichwort: 'Papageno-Effekt – Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik'. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
WWW: https://lexikon.stangl.eu/14288/papageno-effekt/ (2021-05-28)

Hospiz und Palliative Care

Hospiz und Palliative Care sind als Einheit zu sehen und umfassen die ganzheitliche Betreuung
und Begleitung: ehrenamtliche Hospizbegleitung ebenso wie Palliativmedizin, Palliativpflege
und palliative psychosozial-spirituelle Betreuung. Nicht mehr Lebensverlängerung ist das
primäre Ziel, sondern die Lebensqualität bestmöglich zu erhalten. Hospiz und Palliative Care
schenken Zuwendung, lindern Schmerzen und andere Symptome, die die Lebensqualität
beeinträchtigen, wie Fatigue-Syndrom (völlige körperliche, emotionale und/oder geistige
Erschöpfung z.B. in Folge von Krebserkrankung), Atemnot, Übelkeit, und gehen den Weg
gemeinsamer Entscheidungsfindung von Kranken, Betreuungsteam und An- und Zugehörigen.
Es hat sich gezeigt, dass der frühe Einbezug der Grundsätze von Hospiz und Palliative Care
gute Auswirkungen auf Lebensqualität und Krankheitsverlauf hat.

Derzeit besteht nur für Palliativstationen eine österreichweite Regelfinanzierung. In manchen
Bundesländern gibt es eine (teils) öffentlich finanzierte Hospiz- und Palliativbetreuung, viele
Hospiz- und Palliativeinrichtungen sind jedoch nach wie vor auf großzügige Spenden und
jährliche neu gewährte Förderungen angewiesen. Das 2015 von der Bundesregierung
eingesetzte Hospiz- und Palliativforum unter dem Präsidium von Waltraud Klasnic und Dr.in
Elisabeth Pittermann-Höcker versucht Wege zu einer Regelfinanzierung für alle Formen der
abgestuften Hospiz- und Palliativversorgung zu finden. (Hospiz Österreich, online 31.5.2021)

Palliativmedizin

Palliativmedizin befasst sich mit den medizinischen Komponenten der Betreuung
schwerkranker Patienten, die auf Grund der Inkurabilität ihrer Erkrankung und deren
Progression eine stark begrenzte Lebenserwartung aufweisen. (Österreichische
Palliativgesellschaft, online, 19.6.2018)

Palliativpflege

Palliativpflege gewährleistet Patienten im fortgeschrittenen Stadium einer unheilbaren
Erkrankung eine möglichst hohe Lebensqualität und Selbstbestimmung durch fachlich
fundierte, umfassende, individuelle und kreative Pflege. Unter Einbeziehung und Begleitung
der An- und Zugehörigen soll ein Umfeld geschaffen werden, in dem die Bewältigung
krankheitsbedingter Krisen und schwieriger Situationen ermöglicht und die Zeit des
Abschiednehmens über den Tod hinaus als wertvoll erlebt wird.

Sedierung (palliative)

Die palliative Sedierung, das heißt die medikamentöse Bewusstseinsdämpfung zur Linderung
von unerträglichen und therapieresistenten Symptomen (wie Atemnot, Schmerzen) kommt
in den letzten Phasen des Sterbeprozesses zum Einsatz. Palliative Sedierungs- und
„Sterbehilfe“-Handlungen haben folgende Gemeinsamkeiten: a) Beide sind ein Versuch, das
schwere Leiden von Patienten zu lindern, b) am Ende steht der Tod des Patienten und c) die
Substanzen, die verabreicht werden, sind meist die gleichen. Die (moralische) Abgrenzung
erfolgt über Ziel und Absicht der gesetzten Handlung. Im Fall der palliativen Sedierung wird
das Mittel zwecks Linderung von Schmerzen ohne absichtliche Lebensverkürzung
angewendet. Bei der Euthanasie kommt zur Linderungsabsicht die absichtliche
Lebensverkürzung hinzu. Damit aus einer Sedierungshandlung keine Sterbehilfe wird, muss
daher laut Richtlinien der European Association für Palliative Care bei der Dosierung die
Verhältnismäßigkeit zur Intensität der Symptome beachtet und die Reaktion darauf genau
beobachtet werden (Symptomkontrolle). (vgl. Studie über Anwendung
palliativer Sedierung in Österreich, 2016). Seit März 2019 wird die palliative Sedierung auch
durch § 49a Ärztegesetz abgesichert.

Übertherapie

Als Übertherapie werden jene Heilversuche definiert, von denen schon vorab klar ist, dass sie
sinnlos und abträglich sind und weder eine dauerhafte Verbesserung der Lebenserwartung
noch der Lebensqualität des Patienten nach sich ziehen.
Schätzungsweise erhalten in Österreich rund 40 % der Patienten kurz vor ihrem Tod noch
Therapien, die medizinisch keinen Nutzen haben, sondern Leid vergrößern und hohe Kosten
verursachen. Darauf wies die Österreichische Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation
und Intensivmedizin (ÖGARI) hin und fordert daher einen „Einsatz des medizinisch und
technisch Möglichen mit Augenmaß“.

Advanced Care Planning

Advanced Care Planning (ACP) / Behandlung im Voraus planen (BVP) verfolgt das Ziel,
mögliche künftige medizinische Entscheidungen so vorauszuplanen, dass Patienten auch
dann zuverlässig nach ihren individuellen Wertvorstellungen und Wünschen behandelt
werden, wenn sie diese krankheitsbedingt nicht mehr selbst äußern können. Zudem können
auch Wünsche und Präferenzen zu anderen künftig relevanten Aspekten geäußert und
festgelegt werden, z. B. pflegerischer, psychosozialer oder spiritueller Art. Nicht zuletzt
können auch medizinische Indikationen für das Vorgehen im Notfall im Voraus überprüft
und ein Handeln gemäß den Regeln ärztlicher Kunst – z. B. im Fall eines Herzstillstands –
rechtzeitig vorbereitet werden. BVP bewahrt Patienten vor ungewollter Über- oder
Untertherapie und kann zudem Angehörige, Bevollmächtigte/Betreuer sowie Pflegende und
Ärzte bei den stellvertretenden Entscheidungen entlasten. BVP stärkt auf diese Weise die
Selbstbestimmung am Lebensende. (Thieme Zeitschrift für Palliativmedizin 2016, online 31.5.2021)

Therapiezieländerung

„Wenn man kein Therapieziel mehr hat und nur noch das Sterben verlängert wird, dann muss man aufhören.“


Prim. Univ. Prof. Dr. Rudolf Likar, Facharzt für Anästhesiologie u. Intensivmedizin, Präsident der Österreichischen PalliativGesellschaft (ÖPG)

Medizinisch spricht man von einer Therapiezieländerung, wenn es zu einem Therapieabbruch einer lebensverlängernden Maßnahme kommt und man den Fokus stattdessen auf die palliativmedizinische Betreuung legt, also auf die Schmerz- und Symptombehandlung.

Rechtlich wurde diese Vorgehensweise der Ärzte durch § 49a Ärztegesetz abgesichert. Darin heißt es: „Im Rahmen palliativmedizinischer Indikationen ist es zulässig, Maßnahmen zu setzen, deren Nutzen zur Linderung schwerster Schmerzen und Qualen im Verhältnis zum Risiko einer Beschleunigung des Verlusts vitaler Lebensfunktionen überwiegt.“

Auch aus ethischer Sicht gibt es keine Pflicht zur Lebensverlängerung um jeden Preis: Wenn die Lebensverlängerung nur noch Leidensverlängerung ohne Heilung mit sich bringt, ist es ethisch vertretbar, die Behandlung auf wirksame palliative Maßnahmen zu reduzieren.